Ohne Kratzer und Stress: So geht deine Katze entspannt in die Transportbox

„Das ist halt der Aggrokater.“

Warum Labels und Dominanzdenken Katzenstreit nicht erklären – sondern festfahren. Neulich im Erstgespräch. Zwei Katzen. Viel Spannung. Der Satz fällt relativ früh: „Also… der eine ist halt der Aggrokater.“ Kurze Pause. Ich frage: „Was genau macht er denn?“ Stille. Dann: „Naja. Er ist aggressiv.“ Willkommen im Kreisverkehr. 🌀
Die zwei Kater Charlie und Rocky, die auf einem Sessel liegen und sich um den Platz streiten


Wie Labels entstehen (und warum sie sich so gut anfühlen)

Wenn Katzen sich streiten, suchen wir Halt.
Und Halt fühlt sich oft so an:

  • Aggrokater
  • Mobbingkater
  • Zicke
  • Schisser
  • dominant
  • unterwürfig
  • Problemkatze

Label drauf.
Thema sortiert.
Zumindest im Kopf.

Das Problem:
Diese Begriffe beschreiben kein Verhalten,
sie bewerten es.

Und Bewertungen machen eins sehr zuverlässig:
Sie stoppen Beobachtung.


Dominanz: der Klassiker unter den Denkfehlern

Spätestens jetzt kommt er:

„Die müssen halt die Rangordnung klären.“

Ich höre dann innerlich:
Google, Forum, Kommentarspalte, 2008.

Die Idee dahinter:
Eine Katze ist „oben“, die andere „unten“.
Und der Streit ist nötig, damit das geklärt wird.

Das klingt logisch.
Ist es aber nicht.

Katzen sind keine Hierarchie-Manager.

Sie führen keine Organigramme.
Und sie klären Konflikte nicht, indem sie sich „hoch- oder runterkämpfen“.

Was sie tun:

  • Sie vermeiden Stress
  • Sie regulieren Distanz
  • Sie reagieren auf Situationen, nicht auf Titel

Wenn sie das nicht können – weil Raum, Ressourcen oder Sicherheit fehlen –
entsteht kein „Klärungsprozess“.
Sondern Dauerstress.


„Aber der eine ist doch eindeutig dominant!“

Was Menschen „dominant“ nennen, ist oft:

  • eine Katze, die schneller reagiert
  • eine Katze, die keinen Rückzug hat
  • eine Katze, die zu oft in Situationen gedrängt wird
  • eine Katze, die gelernt hat: Angriff beendet Druck

Dominanz ist kein Charakterzug.
Dominanz ist ein Verhalten in einem Kontext.

Und Kontexte ändern sich.

Die gleiche Katze:

  • blockt den Flur 💥
  • zieht sich am Sofa zurück
  • meidet den Napf
  • explodiert am Katzenklo

Welche davon ist jetzt „der wahre Charakter“?


Warum Labels so gefährlich sind (auch die „netten“)

Nicht nur „Aggrokater“ ist problematisch.
Auch das hier:

  • „Die ist halt ein Schisser.“
  • „Der ist einfach sensibel.“
  • „Die andere ist das Opfer.“

Klingt harmlos.
Ist es nicht.

Denn plötzlich ist klar:

  • Die eine ist schuld.
  • Die andere kann halt nicht anders.

Und genau da passiert nichts mehr.


Was stattdessen hilft: Verhalten lesen statt abstempeln

Ein Perspektivwechsel:

Nicht:

„Das ist der Mobbingkater.“

Sondern:

„In welchen Situationen bedrängt er die andere?“

Nicht:

„Die ist unterwürfig.“

Sondern:

„Wo weicht sie aus – und warum?“

Nicht:

„Die klären das schon.“

Sondern:

„Welche Optionen haben sie gerade nicht?“

Beobachten ist kein Nichtstun.
Beobachten ist Information sammeln.

Und Information ist der Anfang von Veränderung.


Drei Mini-To-dos (keine Lösung. Aber ein Start.)

1️⃣ Streiche ein Label – für eine Woche.

Kein „Aggrokater“.
Kein „Zicke“.
Kein „Schisser“.

Beschreibe stattdessen:

  • Was passiert?
  • Wo passiert es?
  • Wer kann ausweichen – wer nicht?

2️⃣ Achte auf Übergänge.

Die meisten Konflikte entstehen nicht „plötzlich“.
Sondern hier:

  • Flur = Feierabendverkehr 🚗🚗🚗
  • Tür auf / Tür zu
  • Futterzeiten
  • Klos
  • Engstellen

Wenn es kippt, ist das oft eine rote Ampel,
keine Explosion.


3️⃣ Frag dich nicht: „Wer ist schuld?“

Sondern:

„Was macht diese Situation gerade unmöglich?“

Katzen streiten selten, weil sie wollen.
Sondern weil sie müssen.


Zum Schluss

Labels fühlen sich nach Kontrolle an.
Dominanztheorien nach Erklärung.

Beides hilft kurzfristig dem Kopf –
aber nicht dem Zusammenleben.

Katzen brauchen keine Rangordnung.
Sie brauchen Sicherheit, Optionen und Lesbarkeit.

Und Menschen brauchen manchmal jemanden,
der sagt:

„Das ist kein Charakterproblem.
Das ist ein System unter Druck.“

Wenn dir das bekannt vorkommt –
dann bist du hier ziemlich richtig.

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